Warum wir die Konzernmarge anders berechnen als andere – und warum das ehrlicher ist
Die Raffinerie gehört dem Konzern – und das ist entscheidend
BP, Shell, TotalEnergies, Esso: Diese Konzerne fördern Öl, sie raffinieren es, und sie verkaufen es an Ihrer Tankstelle. Die gesamte Kette liegt in einer Hand. Das bedeutet: Was eine konzerneigene Raffinerie „kostet", entscheidet der Konzern selbst. Er legt fest, zu welchem internen Preis das Rohöl an die Raffinerie „geliefert" und zu welchem Preis der fertige Kraftstoff „übernommen" wird. Diese Verrechnungspreise sind nach außen nicht einsehbar und können ganz legal so gestaltet werden, dass Gewinne dorthin verschoben werden, wo es steuerlich oder strategisch günstig ist.Wer also versucht, die Raffinierungskosten sauber herauszurechnen, arbeitet mit Zahlen, die der Konzern selbst bestimmt hat. Das Ergebnis wäre nicht transparenter – es wäre trügerisch transparent.
Indem wir die Raffinerie bewusst weglassen und die gesamte Spanne zwischen Rohöl und Zapfhahn messen, zeigen wir die Gesamtmarge des Konzerns als wirtschaftliche Einheit. Genau das ist die Zahl, die zählt, wenn man fragt: Verdient hier jemand gerade ungewöhnlich viel?
Was unsere Berechnung zeigt
Die Formel ist bewusst einfach: Rohertragsmarge = Verkaufspreis − Steuern − RohölpreisDie Steuern – Energiesteuer, CO₂-Abgabe und Mehrwertsteuer – sind gesetzlich festgelegt und für alle gleich. Ihr Abzug ist unproblematisch. Was danach bleibt, gehört dem Konzern: für Raffinerien, Logistik, Tankstellennetz, Marketing, Management – und Gewinn. Wir trennen das nicht auf, weil diese Trennung nicht objektiv möglich ist. Wir zeigen stattdessen das Ganze.
Wenn diese Marge über längere Zeit und trotz stabiler Rohölpreise ansteigt, ist das ein klares Signal: Die Konzerne schöpfen mehr ab. Genau solche Bewegungen wollen wir für unsere Nutzer sichtbar machen.
Was diese Methode nicht leistet – und warum wir trotzdem dahinterstehen
Jede Methode hat Grenzen, und wir benennen sie offen.Zwischen dem Einkauf von Rohöl und dem Verkauf an der Zapfsäule vergehen Wochen. Steigt der Rohölpreis schnell, sieht die Marge kurzfristig höher aus als sie tatsächlich ist – weil noch günstig eingekauftes Öl zu neuen Preisen verkauft wird. Fällt der Preis, kehrt sich das um. Unsere Darstellung ist daher besonders aussagekräftig über mittlere Zeiträume, weniger in der Beurteilung einzelner Tage.
Außerdem verarbeiten Raffinerien Rohöl nicht nur zu Benzin, sondern zu einem ganzen Produktmix aus Diesel, Kerosin, Heizöl und weiteren Erzeugnissen. Der tatsächliche Raffinerie-Gewinn hängt davon ab, welche dieser Produkte gerade besonders gefragt sind. Dieser Effekt ist in unserer Zahl nicht sichtbar.
Und schließlich: Für freie Tankstellen und Handelsketten ohne eigene Raffinerie gilt das Argument der vertikalen Integration nicht in gleicher Weise. Sie kaufen Kraftstoff am Markt ein und zahlen eine echte Raffineriemarge an Dritte. Ihre Marge in unserer Darstellung ist strukturell enger – und das aus anderem Grund als bei den integrierten Konzernen.
Warum wir Transparenz nicht mit Scheingenauigkeit verwechseln
Es gibt Darstellungen, die Raffinierungskosten, Logistikkosten und Händlermarge säuberlich aufgelistet ausweisen. Diese Zahlen stammen meist aus Branchenverbänden oder den Konzernen selbst. Sie sind nicht falsch – aber sie sind auch nicht neutral. Wer Kosten selbst definiert, kann damit Margen kleinrechnen.Unser Ansatz verzichtet auf diese Scheingenauigkeit. Wir zeigen, was zwischen dem Weltmarktpreis für Rohöl und dem Preis an Ihrer Tankstelle – nach Abzug aller staatlichen Steuern – verbleibt. Diese Zahl lässt sich nicht wegdiskutieren. Sie steigt und fällt, und sie ist vergleichbar über Zeit.
Das ist kein vereinfachter Blick auf den Kraftstoffmarkt. Es ist ein bewusst unbestechlicher.