Täglicher Marktbericht

Bericht vom 24.04.2026

Zusammenfassung

Der 24. April 2026 zeigt einen intensiv umkämpften Markt mit PKI-Werten um 71-73 Punkte. Dominiert wird der Tag von einer extremen Haltezeit-Anomalie bei CleanCar (Sigma -92) sowie aggressiven 12-Uhr-Erhöhungen bei ENI. Mehrere kleinere Marken weichen erheblich von ihrem Normalverhalten ab, während die Großanbieter stabile Muster zeigen.

Kritische Ausreißer

MarkeSorteMetrikVorherNachherSigma
CleanCarE5/E10Haltezeit Median45,7 min5,9 min-92,08
Knies+LagotkaDieselHaltezeit Median31,2 min73,8 min+33,47
Seitz MartinE10Stationsstreuung0,69 ct7,49 ct+15,50
CleanCarDieselErhöhung Ø15,0 ct18,5 ct+11,27
A EnergieDieselHaltezeit Median24,3 min103,7 min+8,49

CleanCar (Standorte in Hamburg, Hannover, Berlin, Freiburg) zeigt ein extrem ungewöhnliches Verhalten: Die Kette senkt nach der 12-Uhr-Erhöhung bereits nach knapp 6 Minuten – normalerweise hält sie fast 46 Minuten. Gleichzeitig erhöht sie bei Diesel mit 18,5 ct überdurchschnittlich stark (Sigma +11,3). Diese Kombination – höhere Erhöhung, aber sofortige Rücknahme – deutet auf eine taktische Testphase oder Systemanpassung hin.

Knies+Lagotka in Hessen (Haina, Gemünden, Cölbe, Dautphetal) verhält sich gegenläufig: Die Haltezeit bei Diesel steigt auf 73,8 Minuten, bei Benzin sogar auf 182 Minuten (Sigma +6,4). Der Anteil der Stationen mit Senkung binnen 2 Stunden fällt von 83% auf nur noch 42%. Die kleine Marke signalisiert damit eine Abkehr vom aggressiven Wettbewerb.

Seitz Martin Tankstellen (Bayern: Affing, Aindling, Alberzell, Erdweg) zeigt eine Streuungsexplosion: Die Standardabweichung zwischen Stationen steigt von unter 1 ct auf über 7 ct. Dies spricht für eine dezentrale Preissetzung oder unterschiedliche lokale Wettbewerbsbedingungen.

12-Uhr-Erhöhungsverhalten

Aggressivste Erhöher

MarkeSorteErhöhung heuteNormalwertAbweichung
MINERAE5/E1021,5 ct11,2 ct+92%
ENIDiesel14,8 ct5,7 ct+161%
ENIE5/E1014,5-14,6 ct6,7 ct+118%
tankpointE5/E1013,8 ct10,1 ct+37%
AVIAE5/E1014,2 ct11,0 ct+29%

ENI fällt besonders auf: Die Marke erhöht bei allen Sorten mehr als doppelt so stark wie üblich und senkt anschließend mit durchschnittlich 5,1-5,5 ct auch deutlich stärker als gewöhnlich (vorher: 2,5-2,6 ct). ENI bleibt dennoch mit +6,1 bis +7,3 ct über dem Marktdurchschnitt die teuerste Marke im Feld.

Längste Preishalter

MarkeSorteHaltezeit heuteNormalwert
GULFE5300,1 min67,9 min
Knies+LagotkaE5/E10182,4 min37,3 min
A EnergieDiesel103,7 min24,3 min
ARALalle Sorten123-124 min(stabil)

GULF hält den E5-Preis nach Mittagserhöhung durchschnittlich 5 Stunden – mehr als viermal so lange wie üblich. Die Marke verzichtet faktisch auf den Nachmittagswettbewerb.

Schnellste Senker

JET und ESSO dominieren bei der Reaktionsgeschwindigkeit: Über 97% ihrer Stationen senken binnen 2 Stunden. JET hält nur 41-47 Minuten, ESSO nur 35-39 Minuten. Beide Marken positionieren sich damit klar als Preisfolger im Nachmittagswettbewerb.

Auffällige Verhaltensänderungen

AVEX (NRW, Thüringen) zeigt einen Rückgang bei der 2-Stunden-Senkungsquote von 99,4% auf 87% (Sigma -8,1). Sprint fällt bei Diesel von 91% auf nur noch 44% – mehr als die Hälfte der Stationen verzichtet auf eine schnelle Senkung.

Regionale Cluster-Aktivität

Preisunterbietungs-Cluster (günstig)

Marke/SorteStationenAbweichungRegion
ARAL E1017-2,9 ctWeeze bis Würzburg
SHELL E516-3,0 ctKöln, Pfalz, Saarland
ARAL E516-3,0 ctRhein-Main bis Würzburg
AVIA E58-2,3 ctBayerischer Wald
Raiffeisen Diesel13-2,3 ctNordbaden bis Hohenlohe

Bemerkenswert: ARAL und SHELL – normalerweise Preisführer – unterbieten in Teilen des Rhein-Main-Gebiets und entlang der A3 den Marktdurchschnitt um rund 3 ct. Dies deutet auf lokalen Preiskampf in diesen Korridoren hin.

Hochpreis-Cluster

Marke/SorteStationenAbweichungRegion
Freie Tankstelle E108+4,1 ctNiederbayern/Oberpfalz
Freie Tankstelle E512+3,9 ctNiederbayern/Oberpfalz
Raiffeisen E512+2,3 ctNRW (Münsterland/Ostwestfalen)
ESSO E108+2,3 ctNordwest (Friesland, Emsland)

Freie Tankstellen in Niederbayern (Atting, Berching, Bodenwöhr, Abensberg) liegen über 4 ct über dem Markt – möglicherweise aufgrund geringer Wettbewerbsdichte in ländlichen Gebieten.

Wettbewerbslage (PKI-Analyse)

Der PKI von 71-73 Punkten signalisiert einen aktiv umkämpften Markt. Die wichtigsten Kennzahlen:

SortePKIRecoverySenkungen je ErhöhungUnterbieter >2ct
E573,085,9%7,514,3%
E1073,086,1%7,513,9%
Diesel71,178,9%7,115,8%

Interpretation: Bei Benzin werden knapp 86% der Mittagserhöhung durch nachfolgende Senkungen wieder zurückgegeben – der Wettbewerb funktioniert. Bei Diesel liegt die Recovery bei nur 79%, was erklärt, warum Diesel mit durchschnittlich 17 ct Erhöhung (vs. 14,5 ct bei Benzin) höhere Margen abwirft.

Preisführer vs. Unterbieter

RolleE5E10Diesel
TeuersteENI (+7,3ct)ENI (+7,0ct)ENI (+6,1ct)
ARAL (+2,7ct)ARAL (+2,5ct)SHELL (+3,6ct)
SHELL (+2,0ct)SHELL (+1,8ct)ARAL (+2,4ct)
GünstigsteMarkant (-2,9ct)GLOBUS (-3,0ct)BayWa (-3,4ct)
Supermarkt-TK (-2,9ct)Markant (-3,0ct)Supermarkt-TK (-2,9ct)
BayWa (-2,6ct)JET (-2,7ct)AVIA XPress (-2,7ct)

ENI positioniert sich als klarer Hochpreisanbieter mit 6-7 ct über Markt. Die Discount-Schiene wird von Supermarkt-Tankstellen, GLOBUS, Markant und BayWa besetzt. JET ist bei E10 mit -2,7 ct deutlich günstiger als die Markentankstellen.

Markenmetriken – Auffällige Abweichungen

MarkeSorteDelta zum MarktLeader-RatioStreuung
HessolE5-4,1 ct83%1,9 ct
ENIDiesel-3,4 ct*62%3,2 ct
Winkler 24hDiesel-3,1 ct71%4,3 ct
V-MARKTE5/E10+3,0 ctn/a0,0 ct
Knies+LagotkaE5+1,0 ct75%1,5 ct

Hessol (Rhein-Main-Gebiet) weist mit Sigma -5,5 die stärkste Abweichung vom Normalverhalten auf: Die Marke liegt heute 4,1 ct unter Markt statt der üblichen 1,6 ct – eine aggressive Preissenkung, möglicherweise als Reaktion auf lokalen Wettbewerb.

V-MARKT zeigt bei Diesel eine Streuungsexplosion auf 10,4 ct (Sigma +7,1) bei gleichzeitig einheitlichem Benzinpreis – ein Hinweis auf sortenbezogene Preisdifferenzierung.

Fazit

Der Markt zeigt am 24.04.2026 hohe Wettbewerbsintensität mit funktionierender Recovery nach der 12-Uhr-Erhöhung. Auffällig sind die Extremwerte bei CleanCar (sofortige Senkung), die aggressive Erhöhungsstrategie bei ENI sowie einzelne regionale Hochpreis-Cluster in Niederbayern. Die klassische Marktstruktur – ENI, ARAL, SHELL als teure Marken, Discounter und Genossenschaften als günstige Alternative – bleibt intakt.

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