Täglicher Marktbericht

Bericht vom 27.04.2026

Marktbericht Kraftstoffpreise Deutschland – 27. April 2026

Zusammenfassung

Der heutige Handelstag zeigt signifikante Verhaltensänderungen bei mehreren Regionalmarken, insbesondere im Diesel-Segment. Auffällig ist eine markenübergreifende Tendenz zu längeren Haltezeiten nach der 12-Uhr-Erhöhung – ein Indikator für nachlassenden Wettbewerbsdruck in bestimmten Regionen. Gleichzeitig positionieren sich TotalEnergies und markenfreie Tankstellen aggressiver unter dem Marktschnitt.

Größte Ausreißer: Strategiewechsel bei Greenline und Hessol

MarkeSorteMetrikVorherHeuteSigma
GreenlineDieselHaltezeit (Median)38 min118,5 min+12,39
ESSODieselSenkung <2h97,2%75,9%-9,17
MenginDieselSenkung <2h99,3%80,0%-7,49
OIL!E5Senkung <2h95,7%61,3%-6,52
LanferDieselØ Erhöhung10,0 ct10,8 ct+6,17
ALLGUTHDieselHaltezeit (Median)40 min73,9 min+5,94
HessolE5/E10Senkung <2h94,4%25,0%-4,63
HessolE5/E10Haltezeit (Median)44 min155 min+4,37

Interpretation: Greenline (Ostdeutschland: Dresden, Magdeburg, Chemnitz) hat die Haltezeit nach der Mittagserhöhung beim Diesel mehr als verdreifacht – von knapp 38 auf fast 120 Minuten. Dies ist mit einem Sigma von +12,39 die stärkste Anomalie des Tages. Praktisch bedeutet das: Greenline-Kunden zahlen den erhöhten Preis nun zwei Stunden statt zuvor eine halbe Stunde. Nur noch 52% der Stationen senken innerhalb von 2 Stunden (vorher: 94%).

Hessol (Hessen: Aschaffenburg, Bad Homburg, Bad Vilbel) zeigt ein noch extremeres Muster bei Benzin: Nur noch 25% der Stationen senken innerhalb von 2 Stunden, die Haltezeit springt von 44 auf 155 Minuten. Die Leader-Ratio bei Diesel fällt gleichzeitig von 81% auf 36% – Hessol wechselt von einer führenden zu einer abwartenden Position.

ESSO senkt beim Diesel langsamer als üblich (Senkungsquote unter 2h: 76% statt 97%). Dies korrespondiert mit einer verlängerten Haltezeit von 54 statt 37 Minuten. Bei Benzin bleibt ESSO hingegen aggressiv mit über 97% Senkungsquote.

12-Uhr-Erhöhungsverhalten: Analyse nach Marken

Aggressive Erhöher (überdurchschnittliche Erhöhungsbeträge)

MarkeSorteØ ErhöhungMarktvergleich
RANDiesel20,7 ct+11,2 ct vs. Referenz (Sigma +3,67)
AccessE5/E1017,6 ct+5,8 ct vs. Referenz (Sigma +3,05)
TotalEnergiesE5/E1016,8 ct+4,6 ct vs. Referenz (Sigma +3,02)
Markenfreie TSE5/E1018,5 ct+5,1 ct vs. Referenz (Sigma +3,04)

RAN (Baden-Württemberg, Bayern) erhöht beim Diesel mit durchschnittlich 20,7 ct – mehr als doppelt so viel wie im Referenzzeitraum. Die erste Senkung fällt mit 10,8 ct (vorher: 4,8 ct) ebenfalls ungewöhnlich hoch aus. Dies deutet auf eine veränderte Preisstrategie mit höherer Volatilität hin.

Preisstabilität: Wer hält am längsten?

MarkeSorteHaltezeit heuteSenkung <2h
Knies+LagotkaDiesel158,7 minnur 16,7%
HessolE5/E10155 minnur 25%
ARALE5/E10136 min9,5%
SHELLE5/E10142 min12%

Knies+Lagotka (Hessen: Haina, Jesberg, Rabenau) hält den Preis heute fast 2,5 Stunden – eine Verdreifachung gegenüber dem Normalwert von 44 Minuten. Die Senkungsquote innerhalb 2 Stunden ist von 90% auf unter 17% gefallen. Dies ist ein starkes Signal für reduzierten lokalen Wettbewerbsdruck.

Schnellste Preissenker (hoher Wettbewerbsdruck)

MarkeSorteHaltezeitSenkung <2h
STARalle35-39 min97-98%
TotalEnergiesE5/E1031-41 min95-96%
ENIE5/E1045-57 min90%

STAR und TotalEnergies bleiben die schnellsten Preissenker im Markt. STAR senkt im Median bereits nach 34-35 Minuten, TotalEnergies nach 31 Minuten. Beide geben den erhöhten Preis fast sofort wieder zurück – ein klares Zeichen für aggressive Wettbewerbsorientierung.

Regionale Cluster: Koordinierte Preisabweichungen

MarkeSorteStationenAbweichungRegion
SHELLE58-4,6 ctKöln, Dortmund, Hünxe, Dormagen
Freie TankstelleE1010+4,0 ctNiederbayern: Altfraunhofen, Bogen, Abensberg
ARALE516-3,1 ctWeeze, Würzburg, Langen, Kehrig
ARALDiesel8-3,5 ctWeeze, Hürth, Kehrig, Dernbach
TotalEnergiesDiesel10-3,0 ctNRW: Overath, Freudenberg, Hünxe, Bielefeld
Supermarkt-TSDiesel12+1,4 ctOstdeutschland: Brandenburg, Sachsen

Auffällig: Im Raum Köln/Ruhrgebiet unterbieten SHELL und TotalEnergies den Markt deutlich (bis -4,6 ct). Dies könnte auf lokalen Preiskampf hindeuten. Gegenläufig dazu liegen freie Tankstellen in Niederbayern mit +4 ct deutlich über dem Markt – hier fehlt offenbar Wettbewerbsdruck.

Wettbewerbslage: PKI-Analyse

SortePKIRecoveryHaltezeitUnterbietung >2ct
E572,6/10084,8%65 min11,6%
E1072,7/10085,1%65 min11,2%
Diesel71,2/10084,7%88 min13,2%

Interpretation: Der Markt zeigt mit PKI-Werten über 70 einen intensiven Wettbewerb. Die Recovery-Rate von 85% bedeutet, dass Tankstellen im Tagesverlauf durchschnittlich 85% ihrer Mittagserhöhung wieder zurückgeben. Diesel zeigt mit 88 Minuten Haltezeit etwas weniger Wettbewerbsdruck als Benzin (65 min).

Preisführer und Unterbieter

PositionE5E10Diesel
TeuersteENI (+3,6 ct)ENI (+3,3 ct)SHELL (+3,2 ct)
SHELL (+2,7 ct)SHELL (+2,5 ct)team (+2,9 ct)
ARAL (+2,3 ct)team (+2,1 ct)ENI (+2,8 ct)
GünstigsteGLOBUS (-3,3 ct)BayWa (-3,2 ct)ED (-3,8 ct)
AVIA XPress (-3,0 ct)AVIA XPress (-2,9 ct)AVIA XPress (-3,3 ct)
Supermarkt-TS (-2,6 ct)Supermarkt-TS (-2,8 ct)Supermarkt-TS (-2,5 ct)

Die Marktstruktur bleibt stabil: ENI, SHELL und ARAL etablieren das obere Preisniveau, während AVIA XPress, GLOBUS und Supermarkt-Tankstellen konsequent unterbieten. Der Spread zwischen teuersten und günstigsten Marken beträgt 6-7 Cent – ein substanzieller Unterschied für preissensible Kunden.

Markenspezifische Preisabweichungen

Signifikante Verschiebungen zum Vortag

MarkeSorteDelta zum MarktVeränderung
Markenfreie TSE5-1,6 ctSigma -4,55 (deutlich günstiger)
TotalEnergiesE5/E10-1,2 ctSigma -3,7 (günstiger als üblich)
HERMDiesel-2,5 ctSigma -3,63 (deutlich unter Markt)
AccessDiesel-2,1 ctSigma -3,31 (unter Markt)
PludraDieselStreuung +1,7 ctSigma +3,18 (heterogener)

TotalEnergies positioniert sich heute marktübergreifend 1,2-1,4 ct unter dem Durchschnitt – eine deutliche Abweichung vom Normalwert. In Kombination mit den schnellen Preissenkungen nach 12 Uhr deutet dies auf eine offensive Wettbewerbsstrategie hin.

Fazit und Ausblick

Der Markt zeigt am 27. April 2026 zwei gegenläufige Tendenzen:

1. Nachlassender Druck bei Regionalmarken: Greenline, Hessol, Knies+Lagotka und ALLGUTH verlängern ihre Haltezeiten deutlich und senken langsamer. Dies könnte auf regionale Marktsättigung oder bewusste Margenschonung hindeuten – insbesondere im Diesel-Segment.

2. Offensive der Großen: TotalEnergies, STAR und die markenfreien Tankstellen erhöhen zwar stärker als üblich um 12 Uhr, senken aber extrem schnell wieder. Sie nutzen die Regulierung aus, um kurzzeitig Marge zu realisieren, bleiben aber preislich unter dem Markt.

Der Gesamtmarkt bleibt mit einem PKI von 71-73 wettbewerbsintensiv. Die Preisführerschaft liegt weiterhin bei den Premium-Marken ENI, SHELL und ARAL, während Discounter und Supermärkte konsequent 3-4 Cent darunter liegen.

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