Täglicher Marktbericht

Bericht vom 03.04.2026

Marktbericht Kraftstoffpreise Deutschland – 3. April 2026

Dritter Tag unter der neuen Preisanpassungsverordnung. Die Marktakteure justieren ihre Strategien weiter, während sich erste klare Verhaltensmuster herausbilden. Der heutige Bericht zeigt erhebliche Ausreißer bei Regionalmarken sowie eine zunehmend differenzierte Wettbewerbslandschaft bei den 12-Uhr-Erhöhungen.

Größte statistische Ausreißer

Die auffälligsten Abweichungen vom 14-Tage-Normalwert betreffen heute vor allem kleinere Marken mit deutlichen Strategiewechseln:

MarkeSorteKennzahlVeränderungSigma
CleanCarE5Preisabweichung-2,29 → -0,71 ct+741,8
Kuster EnergyE5Preisabweichung-2,25 → +0,52 ct+156,6
Tankstelle GrüneDieselPreisabweichung-0,32 → -0,11 ct+154,9
EDiE10Preisabweichung-1,37 → -2,50 ct-114,4
Jantzon TankstelleE10Preisabweichung-0,53 → -2,97 ct-111,4
ARALE5Preisstreuung1,86 → 2,46 ct+94,7

CleanCar (Standorte in Hannover, Berlin, Hamburg, Freiburg) vollzieht einen drastischen Strategiewechsel: Die Waschstraßen-Tankstellen lagen bisher konstant rund 2,3 Cent unter dem Marktschnitt bei E5, heute nur noch 0,7 Cent. Mit einem Sigma von +741,8 ist dies die extremste Abweichung des Tages – praktisch ein Ausstieg aus der Niedrigpreisstrategie. Bei Diesel steigt parallel die Preisstreuung zwischen den Stationen auf 3,1 Cent (Sigma +30,3), was auf uneinheitliche Umsetzung hindeutet.

Kuster Energy (NRW, Emmerich, Bochum, Kleve) wechselt ebenfalls die Seiten: Von 2,25 Cent unter Markt auf 0,52 Cent darüber. Die Marke positioniert sich damit erstmals als leicht überdurchschnittlich teuer.

Gegenläufig bewegen sich EDi (Baden-Württemberg, Öhringen, Obersontheim) und Jantzon Tankstelle (Niedersachsen/NRW): Beide senken ihre relative Marktposition deutlich ab. Jantzon liegt nun fast 3 Cent unter dem E10-Marktschnitt – ein aggressiver Discount-Kurs. Die erhöhte Preisstreuung bei EDi (Sigma +15,9 für E10) zeigt dabei, dass nicht alle Stationen gleichmäßig mitziehen.

ARAL verzeichnet eine ungewöhnlich hohe Streuung zwischen den Stationen (Sigma +94,7 bei E5): Die Standardabweichung steigt von 1,86 auf 2,46 Cent. Dies könnte auf verstärkten regionalen Wettbewerbsdruck hindeuten, dem einzelne Standorte unterschiedlich begegnen.

Regionale Cluster-Aktivität

Die Cluster-Analyse zeigt ausgeprägte regionale Preisabweichungen, die auf lokale Wettbewerbsdynamiken hindeuten:

Marke/SorteStationenAbweichungRegion/Orte
Freie Tankstelle Diesel8+4,31 ctBayern (Altmannstein, Burgheim, Gachenbach)
Esso Diesel9-2,70 ctBayern/BaWü (Geretsried, Kiefersfelden, Oberstdorf)
ARAL Diesel8-2,62 ctHessen (Grünberg, Weiterstadt, Gedern)
SHELL E58-2,44 ctPfalz/Hessen (Hainburg, Hochstadt, Homburg)
AGIP ENI E59-2,01 ctRheinland-Pfalz/Hessen (Dieblich, Mainz)
V-MARKT E1017-2,00 ctBayern/Schwaben (München, Immenstadt, Günzburg)

Auffällig: Eine Gruppe von 8 freien Tankstellen in Bayern (Raum Ingolstadt-Neuburg) liegt mit +4,3 Cent deutlich über dem Markt – ungewöhnlich für das sonst preisaggressive Segment. Gleichzeitig existiert ein zweites Cluster freier Tankstellen in Bayern (Betzenstein, Kelheim), das 2,5 Cent unter dem Markt liegt. Diese Polarisierung innerhalb derselben Region verdient Beobachtung.

V-MARKT zeigt ein interessantes Muster: 17 Stationen im Großraum München/Schwaben liegen bei E10 fast 2 Cent unter Markt, während ein separates Cluster von 14 Stationen (Kaufbeuren, Füssen) 1,5 Cent über Markt liegt. Die Supermarktkette fährt offenbar bewusst differenzierte Regionalstrategien.

Wettbewerbslage (PKI-Analyse)

Der Preiskampf-Intensitäts-Index zeigt einen moderat aktiven Wettbewerb mit Werten um 57-59 von 100:

SortePKIRecoveryErhöhungen/SenkungenØ Haltezeit
E558,963,9%13.739 / 50.81467 min
E1058,863,8%13.255 / 49.39867 min
Diesel57,060,4%14.250 / 41.02267 min

Interpretation: Der Markt befindet sich in einem Zustand aktiver, aber kontrollierter Konkurrenz. Die Recovery-Rate von rund 64% bei Benzin bedeutet: Von einer durchschnittlichen 12-Uhr-Erhöhung von 10,6 Cent werden im Tagesverlauf etwa 6,8 Cent durch Senkungen zurückgegeben. Dies ist kein ruinöser Preiskampf, aber auch kein starres Oligopol.

Preisführerschaft:

  • Teuerste Marken: ARAL (+4,4 ct bei E5), SHELL (+3,3 ct), TotalEnergies (+2,3 ct) – diese drei setzen das Preisniveau
  • Günstigste Marken: GLOBUS (-3,9 ct bei E5), AVIA XPress (-3,8 ct), Freie Tankstellen (-3,8 ct) – aktive Unterbieter
  • Bei Diesel verschiebt sich das Bild: SHELL führt mit +4,7 ct, gefolgt von ENI (+4,2 ct); GLOBUS unterbietet mit -4,6 ct am stärksten

Die Unterbietungsquote von 18-19% (Stationen >2 ct unter Lokalnachbarn) zeigt: Knapp jede fünfte Station betreibt aktive Preisunterbietung. Die Episoden-Zahl von ca. 2.900 Senkungsketten täglich mit durchschnittlich 4,3 Stationen pro Kette deutet auf lebhaften lokalen Wettbewerb hin, der sich jedoch geografisch konzentriert.

12-Uhr-Erhöhungsverhalten – Strategische Differenzierung

Zwei Tage nach Inkrafttreten der Preisverordnung kristallisieren sich drei distinkte Strategietypen heraus:

Typ 1: Aggressive Erhöhung mit schneller Rücknahme

MarkeErhöhung (Median)Haltezeit (Median)Senkung <2h
JET13,0 ct (E5/E10), 22,0 ct (Diesel)16 min100%
Esso15,0 ct (E5/E10), 19,0 ct (Diesel)31 min97%
HEM12,0 ct (E5/E10), 15,0 ct (Diesel)34 min99%

JET setzt die extremste Variante um: Maximale Erhöhung um 12 Uhr (bis 22 ct bei Diesel), aber bereits nach 16 Minuten beginnt die erste Senkung – bei 100% aller Stationen. Die Strategie zielt offenbar auf Mitnahme zahlungswilliger Mittagskunden bei sofortiger Rückkehr zum Wettbewerbsniveau.

Typ 2: Moderate Erhöhung mit längerer Haltedauer

MarkeErhöhung (Median)Haltezeit (Median)Senkung <2h
ARAL5,0 ct (E5/E10), 4,0 ct (Diesel)184 min4%
AGIP ENI5,5 ct (Diesel)34 min*52%
Raiffeisen9,0 ct (E5), 11,0 ct (Diesel)60 min60%

ARAL verfolgt die konservativste Strategie: Mit nur 5 Cent Erhöhung bei Benzin und einer Haltezeit von über 3 Stunden (Median 184 min) signalisiert der Marktführer Preisstabilität. Nur 4% der Stationen senken innerhalb von 2 Stunden. Dies etabliert ARAL als Anker für das obere Preisniveau.

Typ 3: Hohe Erhöhung mit mittlerer Rücknahme

MarkeErhöhung (Median)Haltezeit (Median)Senkung <2h
SHELL11,0 ct (E5/E10), 13,0 ct (Diesel)122 min2%
TotalEnergies11,0 ct (E5/E10), 19,0 ct (Diesel)67 min92%
STAR10,0 ct (alle Sorten)54-60 min70-74%

SHELL kombiniert hohe Erhöhungen (11-13 ct) mit langer Haltezeit (2 Stunden) und minimaler Frühsenkung (2%). Die Marke positioniert sich damit noch deutlicher im Premiumsegment als ARAL. TotalEnergies hingegen erhöht ähnlich stark, senkt aber bei 92% der Stationen innerhalb von 2 Stunden wieder – ein hybrides Modell.

Anomalien im Führungsverhalten

Signifikante Veränderungen bei der Leader-Ratio (Anteil Preisführungen bei Senkungen):

  • BfT: Steigt auf 79,9% (E5) bzw. 76,9% (E10) – die Marke initiiert zunehmend Preissenkungen statt zu folgen (Sigma +38-41)
  • Markant (Tankautomat): Springt von 62% auf 87,5% Leader-Ratio bei E5 (Sigma +37,5) – aggressive Neupositionierung
  • BURGER 24H: Kollaps von 79% auf 50% bei E10 (Sigma -29) – Wechsel vom Preisführer zum Follower
  • AGIP ENI: Steigt von 68% auf 79% (E5) – verstärkte Preisführerschaft bei Senkungen

Marktübersicht nach Markenpositionierung

SegmentMarkenØ Delta E5Charakteristik
PremiumARAL, SHELL, ELAN+0,4 bis +1,6 ctHohe Haltezeiten, geringe Senkungsbereitschaft
MittelfeldRaiffeisen, Heinrich Albers, Tankstelle Grüne+0,2 bis +0,5 ctModerate Reaktionszeiten
DiscountQ1, EDi, Jantzon, SB-Markttankstelle, Markant-2,3 bis -2,8 ctSchnelle Senkungen, hohe Leader-Ratio

Fazit: Der dritte Tag unter der neuen Regulierung zeigt eine Marktstruktur, die sich ausdifferenziert. Die einmalige Erhöhungsmöglichkeit um 12 Uhr wird von den Marktteilnehmern sehr unterschiedlich genutzt – von ARALs zurückhaltenden 5 Cent mit 3-Stunden-Haltedauer bis zu JETs aggressiven 13-22 Cent mit 16-Minuten-Blitzrücknahme. Der Wettbewerb verlagert sich erwartungsgemäß auf die Senkungsgeschwindigkeit nach 12 Uhr, wobei etwa 64% der Erhöhungen im Tagesverlauf wieder zurückgegeben werden.

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