Täglicher Marktbericht
Bericht vom 07.04.2026
Marktbericht Kraftstoffpreise Deutschland – 7. April 2026
Außergewöhnliche Anomalien: ESSO Diesel mit extremer Haltezeit-Abweichung
Der heutige Handelstag zeigt eine der stärksten statistischen Abweichungen seit Einführung der neuen Preisanpassungsverordnung. Die Anomaliedaten offenbaren mehrere signifikante Verhaltensänderungen einzelner Marken.
| Marke | Sorte | Kennzahl | Normalwert | Aktuell | Sigma |
|---|---|---|---|---|---|
| ESSO | Diesel | Median-Haltezeit | 32,4 min | 168,2 min | +223,25 |
| BFT | Diesel | Erste Senkung | 6,74 ct | 4,71 ct | -57,71 |
| GLOBUS | E10 | Erhöhungshöhe | 7,98 ct | 5,29 ct | -54,16 |
| GLOBUS | E5 | Erhöhungshöhe | 7,99 ct | 5,29 ct | -46,30 |
| GLOBUS | Diesel | Erhöhungshöhe | 7,97 ct | 5,36 ct | -28,08 |
| Roth-Energie | Diesel | Median-Haltezeit | 25,1 min | 197,0 min | +18,21 |
ESSO Diesel zeigt mit einem Sigma-Wert von +223,25 eine beispiellose Abweichung: Die Haltezeit nach der 12-Uhr-Erhöhung stieg von üblichen 32 Minuten auf über 168 Minuten – eine Verfünffachung. Dies bedeutet praktisch, dass ESSO-Stationen den erhöhten Dieselpreis heute fast drei Stunden lang hielten, bevor die erste Senkung erfolgte. Bei E5 und E10 hingegen verhielt sich ESSO unverändert aggressiv mit nur 30 Minuten Haltezeit.
GLOBUS fuhr bei allen drei Kraftstoffsorten eine deutlich zurückhaltendere Erhöhungsstrategie: Statt der üblichen knapp 8 Cent wurden nur etwa 5,3 Cent aufgeschlagen. Diese Zurückhaltung um rund 2,7 Cent pro Liter positioniert GLOBUS als günstigsten Anbieter im Tagesverlauf.
BFT reduzierte die erste Preissenkung nach 12 Uhr erheblich: Von durchschnittlich 6,74 Cent auf nur noch 4,71 Cent bei Diesel. Dies deutet auf eine vorsichtigere Rückgabe der Mittagserhöhung hin.
12-Uhr-Erhöhungsverhalten: Strategische Differenzierung der Marken
Die Analyse des regulatorisch vorgeschriebenen Erhöhungszeitpunkts offenbart deutliche Unterschiede in der Markenstrategie:
| Marke | Sorte | Erhöhung (Median) | Haltezeit (Median) | Senkung <2h | Erste Senkung |
|---|---|---|---|---|---|
| ESSO | E5/E10 | 12,00 ct | 30 min | 95,4% | 4,03 ct |
| BFT | E5/E10 | 11,00 ct | 26 min | 71-72% | 4,85 ct |
| AVIA | E5/E10 | 9,00 ct | 60 min | 70% | 3,35 ct |
| TotalEnergies | E5/E10 | 7,00 ct | 137 min | 29% | 1,65 ct |
| ARAL | E5/E10 | 6,00 ct | 125 min | 4,1% | 2,66 ct |
| SHELL | E5/E10 | 8,00 ct | 122 min | 2,1% | 1,96 ct |
Aggressivste Erhöher: ESSO setzt mit 12 Cent Median-Erhöhung bei Benzin die höchsten Aufschläge, senkt aber auch am schnellsten wieder (95% innerhalb von 2 Stunden). BFT folgt mit 11 Cent. Diese Strategie zielt auf Kunden, die unmittelbar nach 12 Uhr tanken.
Längste Preishalter: ARAL und SHELL halten ihre moderateren Erhöhungen (6-8 Cent) am längsten – nur 2-4% senken innerhalb von 2 Stunden. Dies maximiert die Marge über den Nachmittag.
Noon-Anomalien im Detail:
- Roth-Energie (Hessen/NRW): Verlängerte die Diesel-Haltezeit von 25 auf 197 Minuten (+18 Sigma) und reduzierte den Anteil der 2-Stunden-Senker bei Diesel von 95% auf nur 38%. Dies markiert einen deutlichen Strategiewechsel hin zu längerer Margensicherung.
- FAMILA (Norddeutschland): Diesel-Haltezeit stieg von 57 auf 200 Minuten (+8 Sigma), Senkungsquote fiel von 68% auf 26%.
- RAN (Baden-Württemberg/Bayern): Erhöhte bei E5 nur 5 Cent statt üblicher 14 Cent (-4 Sigma) und senkte die 2-Stunden-Senkungsquote von 97% auf 79%.
Regionale Preiscluster: Aktive Abweichungen vom Marktniveau
Die Clusteranalyse identifiziert koordinierte regionale Preisabweichungen mehrerer Stationen einer Marke:
| Marke | Sorte | Stationen | Abweichung | Region/Orte |
|---|---|---|---|---|
| AVIA | Diesel | 7 | +4,50 ct | Bad Waldsee, Bad Wurzach, Eberhardzell, Horgenzell (Oberschwaben) |
| BFT | E5 | 5 | +3,84 ct | Rosenfeld, Kenzingen, Oberreichenbach, Schluchsee (Schwarzwald) |
| ARAL | E10 | 16 | -3,08 ct | Kalbach, Burghaun, Grünberg, Hausen bei Würzburg (Osthessen/Unterfranken) |
| ARAL | Diesel | 8 | -3,34 ct | Bedburg, Dernbach, Bad Camberg, Solingen (Rheinland/Westerwald) |
| Freie Tankst. | E5 | 5 | -3,64 ct | Kelheim, Hartmannshof, Mühldorf, Vilsbiburg (Niederbayern/Oberpfalz) |
| V-MARKT | E10 | 24 | -1,25 ct | Kaufbeuren, München, Immenstadt, Burgau (Bayerisch-Schwaben) |
Aufschlagscluster: AVIA fährt im Raum Oberschwaben (26 km Radius) mit 7 Stationen einen Aufpreis von 4,5 Cent bei Diesel – möglicherweise aufgrund geringer lokaler Konkurrenz. BFT zeigt ähnliches Verhalten im Schwarzwald.
Preiskampfzonen: ARAL liegt in Osthessen und am Westerwald mit bis zu 16 Stationen etwa 3 Cent unter dem regionalen Median – ein Zeichen für aktiven lokalen Wettbewerb. V-MARKT positioniert sich in Bayerisch-Schwaben flächendeckend günstig.
Ungewöhnlich: Ein markenübergreifender Diesel-Cluster in Hessen (Bad Pyrmont bis Grebenhain) zeigt +2,0 Cent Aufpreis bei 10 Stationen verschiedener Anbieter.
Wettbewerbslage: Moderater Preiskampf mit stabiler Oligopolstruktur
Der Preiskampf-Intensitäts-Index (PKI) zeigt einen Markt mit moderatem Wettbewerb:
| Sorte | PKI | Recovery | Teilnahme | Unterbietung | Episoden |
|---|---|---|---|---|---|
| E5 | 58,8/100 | 76,5% | 95,6% | 14,7% | 2.959 |
| E10 | 58,6/100 | 76,5% | 96,0% | 14,7% | 2.810 |
| Diesel | 56,2/100 | 67,2% | 94,1% | 15,7% | 3.282 |
Interpretation: Mit PKI-Werten um 57-59 liegt der Markt im mittleren Wettbewerbsbereich. Die hohe Teilnahmequote (94-96%) zeigt, dass fast alle Stationen nach der Mittagserhöhung wieder senken – es gibt also Wettbewerbsdruck. Die Recovery-Rate von 67-77% bedeutet, dass gut zwei Drittel bis drei Viertel der 12-Uhr-Erhöhung im Tagesverlauf durch Senkungen zurückgegeben werden.
Preisführer (teuerste Marken):
- ARAL: +3,6 bis +3,9 Cent über Marktmedian bei allen Sorten (2.168 Stationen)
- ENI: +1,8 bis +3,3 Cent (495 Stationen)
- SHELL: +3,0 Cent bei Diesel (1.669 Stationen)
Aktive Unterbieter (günstigste Marken):
- GLOBUS: -3,4 bis -3,6 Cent unter Marktmedian – günstigster Anbieter (56 Stationen)
- AVIA XPress: -2,9 Cent (172-186 Stationen)
- Freie Tankstellen: -2,5 bis -2,8 Cent (466-472 Stationen)
Das Verhältnis von Preissenkungen zu Erhöhungen liegt bei etwa 5:1 (z.B. 76.893 Senkungen vs. 13.792 Erhöhungen bei E5), was das regulatorische Regime widerspiegelt: Eine zentrale Erhöhung um 12 Uhr, gefolgt von zahlreichen Senkungswellen.
Markenspezifische Auffälligkeiten
| Marke | Sorte | Delta zum Markt | Leader-Ratio | Streuung (stddev) | Besonderheit |
|---|---|---|---|---|---|
| Roth-Energie | E10 | -0,95 ct | 100% | 0,64 | Setzt alle Preissenkungen als Erster |
| GLOBUS | Diesel | +0,66 ct | 94% | 2,39 | Sehr hohe Führungsquote trotz Preisplus |
| RAN | Diesel | -1,06 ct | 93% | 2,33 | Dominanter Preisführer in Süddeutschland |
| EDEKA | E10 | -0,34 ct | 45% (↓17 PP) | 1,08 | Leader-Ratio fiel stark (-3,9 Sigma) |
| M1 | Diesel | k.A. | 36% (↓17 PP) | k.A. | Leader-Ratio fiel stark (-3,3 Sigma) |
| Raiffeisen | E5 | -0,54 ct | 56% | 2,45 (↓0,7) | Streuung deutlich gesunken (-5,3 Sigma) |
Roth-Energie in Hessen/NRW agiert bei E10 als konsequenter Preisführer (100% Leader-Ratio) – jede Senkung geht von dieser Marke aus. Gleichzeitig wurde die Haltezeit massiv verlängert, was auf eine neue Strategie hindeutet: Erst spät senken, dann aber als Erster.
EDEKA und M1 verloren heute erheblich an Preisführungsinitiative – sie reagieren vermehrt auf Wettbewerber statt selbst vorzupreschen.
Raiffeisen zeigt eine deutlich homogenere Preisstrategie: Die Streuung zwischen Stationen sank von 3,18 auf 2,45 Cent, was auf eine Zentralisierung der Preissteuerung hindeutet.
Fazit
Der 7. April 2026 war geprägt von strategischen Anpassungen bei mittelgroßen Marken: ESSO experimentiert bei Diesel mit deutlich längeren Haltezeiten, GLOBUS fährt eine zurückhaltende Erhöhungspolitik, und Roth-Energie sowie FAMILA wechseln von schnellem Absenken zu längerem Margenschutz. Der Gesamtmarkt bleibt mit einem PKI um 57-59 im moderaten Wettbewerbsmodus – ARAL, ENI und SHELL setzen das obere Preisniveau, während Discounter wie GLOBUS und AVIA XPress aktiv unterbieten. Regionale Preiskämpfe konzentrieren sich auf Osthessen, den Westerwald und Bayerisch-Schwaben.